Tycho Brahe-Preis für Reinhard Genzel

1. Juni 2012

Die Europäische Astronomische Gesellschaft EAS hat angekündigt, dass der Tycho Brahe-Preis 2012 an Prof. Dr. Reinhard Genzel vergeben wird in Anerkennung seiner hervorragenden Beiträge zur Instrumentierung für den Nah-Infrarot-Bereich und für bahnbrechende Arbeiten zur galaktischen und extragalaktischen Astronomie.

<span class="small">SINFONI im Cassegrain-Brennpunkt des VLT Yepun-Teleskops. SINFONI besteht aus zwei Teilen: dem feldabbildenden Nahinfrarotspektrometer SPIFFI und einem Modul für die Adaptive Optik.</span> Bild vergrößern
SINFONI im Cassegrain-Brennpunkt des VLT Yepun-Teleskops. SINFONI besteht aus zwei Teilen: dem feldabbildenden Nahinfrarotspektrometer SPIFFI und einem Modul für die Adaptive Optik. [weniger]

Der Tycho Brahe-Preis zeichnet die Entwicklung von Instrumenten in Europa aus sowie große Entdeckungen, die hauptsächlich auf die Nutzung dieser Instrumente zurückgehen. MPE-Direktor Reinhard Genzel und seine Arbeitsgruppe waren verantwortlich für den Bau des feldabbildenden Nahinfrarotspektrometers SINFONI für das ESO Very Large Telescope. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2005 entwickelte sich SINFONI zu einem wichtigen Werkzeug für die Untersuchung der Struktur und Dynamik von entfernten Galaxien sowie unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße.

Das SINFONI-Instrument trug insbesondere zu einer beispiellosen 20-jährigen Studie bei, in der die Bewegung der Sterne um das galaktische Zentrum aufgezeichnet wurde. Die Messung der Umlaufbahnen der Sterne rund um das Zentrum der Milchstraße lieferte den Astronomen den schlagkräftigen Beweis, dass das Zentrum der Galaxie ein Schwarzes Loch beherbergt. Kürzlich entdeckte das Team auch eine Gaswolke, die in Richtung des zentralen Schwarzen Lochs fällt und durch die starken Gravitationsfelder zerrissen wird - letztlich wird die Gaswolke durch das galaktische Schwarze Loch verschluckt werden.
(siehe MPE Pressemitteilung vom 14. Dezember 2011)

<span class="small">Zwei Ansichten einer typischen Galaxie, 5,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall. Diese Beobachtungen zeigten zum ersten Mal deutlich, dass die molekulare Emissionslinie und die optische Strahlung der Sterne eine massereiche, rotierende Scheibe von etwa 60.000 Lichtjahren Durchmesser nachzeichnen.</span> Bild vergrößern
Zwei Ansichten einer typischen Galaxie, 5,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall. Diese Beobachtungen zeigten zum ersten Mal deutlich, dass die molekulare Emissionslinie und die optische Strahlung der Sterne eine massereiche, rotierende Scheibe von etwa 60.000 Lichtjahren Durchmesser nachzeichnen. [weniger]

Einblicke aus Untersuchungen des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße führen auch direkt weiter zu Informationen über die Entstehung und Entwicklung von Schwarzen Löchern bei hoher Rotverschiebung und wie sich diese extremen Objekte gemeinsam mit ihrer Wirtsgalaxie entwickeln. Mit dem Plateau de Bure Millimeter-Interferometer konnte die Infrarot-Gruppe unter der Leitung von Linda Tacconi zum ersten Mal das kalte molekulare Gas in normalen Galaxien nachweisen und abbilden. Diese Beobachtungen zeigten, dass massereiche normale Galaxien drei bis fünf Milliarden Jahre nach dem Urknall etwa fünf- bis zehnmal mehr Gas enthalten, als man im nahen Universum sieht. Diese Galaxien zeigen über lange Zeit eine hohe Sternentstehungsrate, aus dem Halo aus Dunkler Materie muss daher kontinuierlich Gas nachströmen.
(siehe MPE Pressemitteilung vom 10. Februar 2010)

Der Tycho-Brahe-Preis wird im Rahmen der Europäischen Woche der Astronomie und Raumfahrt (EWASS) 2012 an Prof. Dr. Reinhard Genzel verliehen. Die EWASS2012 wird 1-6 Juli 2012 in Rom stattfinden.