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Genzel, Reinhard
Genzel, Reinhard
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MPE Pressemeldung

Harvey-Preis für Reinhard Genzel

22. April 2015

Am 29. April erhält Reinhard Genzel den "2014 Harvey-Preis“ auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie vom Technion, dem israelischen Institut für Technologie in Haifa. Der Harvey-Preis honoriert Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik und wird dieses Jahr an den Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik, Prof. Reinhard Genzel, sowie den Krebsforscher Prof. James P. Allison verliehen. Genzel wird damit ausgezeichnet für die Entwicklung neuer astronomischer Detektoren und ihre Anwendung, um damit nachzuweisen, dass sich im Zentrum unserer Milchstraße ein super-massereiches Schwarzes Loch befindet.

<p>Dieses Bild zeigt die Zentralregion unserer Galaxie, der Milchstra&szlig;e, beobachtet 2008 im nahen Infrarot mit dem ESO Very Large Telescope und dem NACO-Instrument, das am Max-Planck-Institut f&uuml;r extraterrestrische Physik gebaut wurde. Indem die Astronomen die Bewegungen der zentralsten Sterne &uuml;ber mehr als 16 Jahre verfolgten, konnten sie feststellen, dass unsere Galaxie ein supermassereiches Schwarzes Loch enth&auml;lt.</p> Bild vergrößern

Dieses Bild zeigt die Zentralregion unserer Galaxie, der Milchstraße, beobachtet 2008 im nahen Infrarot mit dem ESO Very Large Telescope und dem NACO-Instrument, das am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik gebaut wurde. Indem die Astronomen die Bewegungen der zentralsten Sterne über mehr als 16 Jahre verfolgten, konnten sie feststellen, dass unsere Galaxie ein supermassereiches Schwarzes Loch enthält.

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Das für die Auswahl der Preisträger verantwortliche Gremium würdigt Reinhard Genzel für "die Entwicklung vieler neuartiger Instrumente für den Einsatz am Boden, in der Luft und im Weltraum, die es möglich machten, die Bewegung der Sterne in unmittelbarer Nähe zum galaktischen Zentrum mit bisher unerreichter Präzision zu verfolgen und damit als Erster unwiderlegbare Beweise für die Existenz eines massereichen Schwarzen Lochs im galaktischen Zentrum zu liefern."

Das Zentrum unserer Galaxie, der Milchstraße, ist hinter einer dichten Wolke aus Gas und Staub verborgen, die nur Infrarotlicht durchdringt. Um diese zentrale Region detailliert beobachten zu können bauten Genzel und sein Team eine Kamera mit einer ausreichend hohen Auflösung und Empfindlichkeit im langwelligen Spektralbereich - eine Herausforderung, da die Detektorentwicklung für den Infrarotbereich noch in den Kinderschuhen steckte - und 1992 begannen sie mit regelmäßigen Beobachtungen der Sterne rund um die Radioquelle Sagittarius A*.

<p>Ein Modell der Sterne und ihrer Bahnen rund um das galaktische Zentrum (Bildmitte), darum einige der Instrumente, mit denen die Zentralregion unserer Milchstra&szlig;e beobachtet wurden: SHARP am New Technology Telescope, 3D am Anglo-Australian Telescope, NACO und SINFONI am Very Large Telescope (von links unten im Uhrzeigersinn).</p> Bild vergrößern

Ein Modell der Sterne und ihrer Bahnen rund um das galaktische Zentrum (Bildmitte), darum einige der Instrumente, mit denen die Zentralregion unserer Milchstraße beobachtet wurden: SHARP am New Technology Telescope, 3D am Anglo-Australian Telescope, NACO und SINFONI am Very Large Telescope (von links unten im Uhrzeigersinn).

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Die detaillierten astrometrischen Messungen mit den am MPE entwickelten Kameras, die an leistungsfähigen Teleskopen der Europäischen Südsternwarte in Chile montiert waren, machten es möglich, die Umlaufbahnen der Sterne im galaktischen Zentrum genau zu vermessen. Ein Stern durchlief sogar einen vollen Bahnumlauf in den ersten 16 Jahren der Studie und näherte sich dem zentralen Objekt auf eine Entfernung von nur 17 Lichtstunden. Diese Daten zeigten deutlich, dass die zentrale Masse nichts anderes als ein schwarzes Loch mit 4,3 Millionen Sonnenmassen sein kann – vorausgesetzt die allgemeine Relativitätstheorie Einsteins ist gültig. Dies lieferte zum einen eine Antwort auf die Frage nach der Existenz eines Schwarzen Lochs in unserer Galaxie, stärkte aber gleichzeitig auch die Meinung, dass die meisten anderen Galaxien ebenfalls ein schwarzes Loch in ihrem Zentrum beherbergen.

Professor Reinhard Genzel erhält den Harvey-Preis für Wissenschaft und Technologie für den Nachweis, dass es ein schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße gibt. Während seines Aufenthalts am Technion, dem israelischen Institut für Technologie, wird er Vorträge halten und sich mit israelischen Wissenschaftlern und Akademikern treffen. Materialien dieser Vorlesungen werden in einem fortlaufenden Reihe, den Harvey Prize Papers veröffentlicht.

Der Preis wird jährlich seit 1972 für herausragende Leistungen in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Gesundheit und Frieden verliehen. Es wurde gestiftet von Leo M. Harvey (1887-1973), einem industriellen Pionier und Erfinder. Frühere Preisträger waren unter anderen James E. Peebles für seine klassischen Arbeiten zur kosmischen Hintergrundstrahlung und seine bahnbrechenden Beiträge zum Verständnis der Entstehung unseres Universums und Charles L. Bennett, in Anerkennung seiner bedeutenden Weiterentwicklung der Kosmologie durch bahnbrechende Messungen der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung mit COBE und WMAP.

Genzel ist der erste deutsche Physiker, der den Preis erhält. Er erhielt bereits viele Preise und Auszeichnungen, darunter den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Balzan-Preis 2003 für seine Arbeiten mit Infrarot-Instrumenten, den Shaw-Preis 2008 und den Crafoord-Preis 2012 sowie die Herschel-Medaille die Royal Astronomical Society 2014.

 
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