ERC-Förderung für Stefan Gillessen

5. November 2012

Ende Oktober gab der Europäische Forschungsrat bekannt, dass Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik einen 'ERC Starting Grant' erhält. Diese Förderung wird nur nach dem Kriterium der wissenschaftlichen Exzellenz vergeben und wird es dem MPE ermöglichen eine Forschungsgruppe einzurichten, die sich mit der Interpretation der bald verfügbaren interferometrischen Daten zum galaktischen Zentrum befassen wird. Das neue GRAVITY-Instrument, das derzeit am MPE entwickelt wird, soll relativistische Effekte nahe des Schwarzen Lochs im Herzen der Milchstraße nachweisen.

<p>Infrarot-Aufnahme des galaktischen Zentrums (links) und eine Grafik, die die Bahnen von etwa 30 Sternen rund um das zentrale Schwarze Loch zeigt (rechts). Mit dem neuen GRAVITY-Instrument werden die Wissenschaftler in der Forschungsgruppe PROGRESO in der Lage sein, noch näher an den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs zu blicken, um relativistische Effekte zu nachzuweisen und die Gesetze der Schwerkraft zu testen.</p> Bild vergrößern

Infrarot-Aufnahme des galaktischen Zentrums (links) und eine Grafik, die die Bahnen von etwa 30 Sternen rund um das zentrale Schwarze Loch zeigt (rechts). Mit dem neuen GRAVITY-Instrument werden die Wissenschaftler in der Forschungsgruppe PROGRESO in der Lage sein, noch näher an den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs zu blicken, um relativistische Effekte zu nachzuweisen und die Gesetze der Schwerkraft zu testen.

[weniger]

Die Schwerkraft ist unter den vier Grundkräften in der Natur diejenige Kraft, die noch am wenigsten untersucht wurde. Das galaktische Zentrum mit seinem supermassereichen Schwarzen Loch stellt ein einzigartiges Labor für Gravitationsphysik dar und ist uns auf kosmischen Skalen sehr nahe; es befindet sich in einem Abstand von nur 27 000 Lichtjahren. In den vergangenen 20 Jahren haben Wissenschaftler am MPE hochauflösende Infrarotkameras eingesetzt, um die Bahnen von rund 40 einzelnen Sternen zu vermessen, die das Gravitationspotential quasi als „Probeteilchen“ sondieren. Alle bis heute gemessenen astrometrischen und Radialgeschwindigkeitsdaten können durch rein Keplersche Umlaufbahnen um eine einzige zentrale Masse erklärt werden, die mehr als 4 Millionen Mal die Masse unserer Sonne haben muss.

Derzeit wird unter Leitung des MPE ein neues Instrument entwickelt, mit dem die Wissenschaftler noch näher an den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs und somit den Bereich blicken können, in dem relativistische Effekte auftreten. Mit dem GRAVITY-Instrument der nächsten Generation werden die Daten der vier 8m VLT-Teleskope der Europäischen Südsternwarte interferometrisch zusammengeschaltet, was die Auflösung und die astrometrische Präzision um einen Faktor 15-20 erhöhen wird. Damit wird es möglich sein, die Schwerkraft in einem bisher unerforschten Bereich von hoher Masse und Raum-Zeit-Krümmung zu testen und vielleicht sogar die Rotation des Schwarzen Lochs zu bestimmen.


 

Über die ERC Starting Grants

Die ERC Starting Grants werden an unabhängige Nachwuchsforscher beliebiger Nationalität mit mehreren Jahren Postdoc-Erfahrung und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz verliehen. Sie müssen einen exzellenten Forschungsvorschlag einreichen und die Forschungsarbeiten müssen in einer öffentlichen oder privaten Forschungsorganisation durchgeführt werden, die ihren Sitz in einem EU-Mitgliedstaat oder einem assoziierten Staat hat. Die Förderung beträgt bis zu 1,5 Millionen Euro für bis zu 5 Jahren.