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Schwarzes Loch bringt Licht ins Dunkel einer Galaxie
Erstmals Lichtecho eines Röntgenblitzes im Detail beobachtet

Bild: MPE/ESA
(
hohe Auflösung)
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Eine künstlerische Darstellung des Lichtechos der Zerstörung eines
Sterns durch ein Schwarzes Loch
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Ein Lichtecho entsteht, wenn interstellare Gase durch Strahlung stark
aufgeheizt werden und darauf ihrerseits mit Aussendung von Licht in
anderen Wellenlängen reagieren. Bei der Galaxie, die nun ein internationales
Team unter Leitung der Astrophysikerin Stefanie Komossa vom Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik in Garching beobachtet hat, handelt es sich
bei der Strahlungsquelle um hell aufleuchtendes Röntgenlicht, hervorgerufen
von der Zerstörung eines Sterns durch ein Schwarzes Loch. Zum ersten Mal
konnte nun das Lichtecho eines solch seltenen und höchst dramatischen
Ereignisses im Detail verfolgt werden. Das zeitlich hoch-veränderliche
Lichtecho führte in diesem Falle nicht nur zur Entdeckung des stellaren
Zerstörungsprozesses, es stellt insbesondere auch eine neue Methode dar,
Galaxienkerne zu kartografieren (Astrophysical Journal Letters, 1. Mai 2008).
Wenn ein Stern von einem Schwarzen Loch zerrissen wird, verteilen sich die
Sterntrümmer in seiner Nähe und werden unweigerlich vom Schwarzen Loch
angezogen und verschluckt. Erst eine Handvoll dieser extremen Ereignisse
ist überhaupt bekannt. Der kurzfristig stark erhöhte Materiestrom auf
das Schwarze Loch führt zu einem plötzlichen Anwachsen der Ultraviolett-
und Röntgenhelligkeit, da sich die stellare Restmaterie stark aufheizt.
Während die hochenergetische Strahlung den Kern der Galaxie durchläuft,
erhellt sie Materie, die sonst von Dunkelheit verborgen bleibt und ermöglicht
es dadurch, verschiedene Raumgebiete zu sondieren.
"Den Kern einer normalen Galaxie zu studieren, ist so, als würde man die
New Yorker Skyline bei Nacht während eines Stromausfalls betrachten: Dabei
erfährt man nicht viel über die Gebäude, Straßen und Parks der Stadt",
erläutert Stefanie Komossa. "Die Situation verändert sich etwa während eines
Feuerwerks. Genauso ist es, wenn ein plötzlich aufflammender Blitz
hochenergetischer Strahlung eine Galaxie für einen kurzen Moment erhellt."
Allerdings müssen sich die Astrophysiker bei einem solchen Ereignis beeilen
und im richtigen Moment durch das Teleskop blicken, da Strahlungsausbrüche
im Röntgenlicht nicht lange andauern.
Aus der Stärke, dem Ionisationsgrad und den abgeleiteten Geschwindigkeiten
der jetzt entdeckten, zeitlich hoch-veränderlichen Emissionslinien kann ersehen
werden, in welchem Teil der Galaxie man sich gerade befindet. Die
Emissionslinien stellen die Fingerabdrücke einzelner Atome in den heißen Gasen
dar, die vom Strahlungsblitz beleuchtet werden. Die Galaxie mit dem Katalognamen
SDSSJ0952+2143, die von Komossa und ihrem Team im Dezember 2007 im Archiv der
Sloan Himmelsdurchmusterung entdeckt wurde, erregte die Aufmerksamkeit der
Wissenschaftler durch besonders starke Eisenlinien: die stärksten, gesehen
im Verhältnis zur Sauerstoffemission, die jemals in einer Galaxie gemessen
wurden. Darin sehen die Autoren einen Beleg für das Vorhandensein eines
molekularen Torus, der eine wichtige Rolle im vereinheitlichten Kernmodell
aktiver Galaxien spielt.
Das Modell geht davon aus, dass alle aktiven Galaxien aus identischen
Bestandteilen aufgebaut sind und sich die von uns wahrgenommenen Unterschiede
nur aus den unterschiedlichen Blickrichtungen ergeben, aus denen man die
Galaxien betrachtet. Ein wichtiger Bestandteil des Galaxienmodells ist der
molekulare Torus, der das Schwarze Loch und die Akkretionsscheibe ringartig
umschließt und von bestimmten Beobachtungswinkeln aus auch verdeckt. Auch
die Breite der von Wissenschaftlern messbaren Spektrallinien wird von der
Blickrichtung und damit vom Molekulartorus beeinflusst.
Sollte sich die Vermutung von Komossa und ihren Kollegen bestätigen, wäre
dies das erste Mal, dass Wissenschaftler ein so starkes zeitlich veränderliches
Signal vom Molekulartorus sehen. Durch das Lichtecho könnte der Torus
kartografiert und auf bestimmte Eigenschaften wie etwa seine Dimensionen hin
untersucht werden, die bisher schwer fassbar blieben.
In die gleiche Richtung weist die Beobachtung von zeitlich veränderlicher
Emission im Licht der Wärmestrahlung: Sie kann als "letzter Hilfeschrei"
aufgeheizter staubiger Materie gedeutet werden, bevor der Staub durch den
Strahlungsblitz schließlich komplett zerstört wird.
Neben der ungewöhnlich starken Eisenemission fiel den Wissenschaftlern eine
merkwürdige Form der Wasserstoff-Emissionslinien auf, die so noch niemals
gesehen wurde: Sie liefert einen Hinweis auf Aktivitäten der Materiescheibe
um das Schwarze Loch, die hauptsächlich aus Wasserstoff besteht.
"Höchstwahrscheinlich sehen wir hier Trümmer des zerrissenen Sterns, die kurz
davor sind, von dem Schwarzen Loch verschluckt zu werden", erklärt Hongyan
Zhou vom MPE, Ko-Autor der Publikation.
Das Lichtecho in der kürzlich entdeckten Galaxie dauert weiter an und wird
derzeit mit leistungsstarken Großteleskopen weiter verfolgt. Der
Strahlungsausbruch selbst ist inzwischen bereits stark abgeklungen. Schnell
eingeleitete Untersuchungen mit dem Weltraum-Röntgenteleskop Chandra zeigen
zwar noch messbares, aber bereits sehr schwaches Röntgenlicht aus dem Kern
der Galaxie.
"Die Kartierung von Lichtechos eröffnet ganz neue Möglichkeiten der
Untersuchung von Galaxien", so Komossas Schlussfolgerung. Auf diese Weise
soll nun die physikalische Beschaffenheit der Materie rund um den Kern
aktiver und inaktiver Galaxien näher erforscht werden.
Originalveröffentlichung:
ApJ Letters, 678, L13, 2008 (in englischer Sprache)
Vorabveröffentlichung: arXiv:0804.2670v1 [astro-ph]
(in englischer Sprache)
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: clerico@mpe.mpg.de
Dr. Stefanie Komossa
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3577
E-Mail: skomossa@mpe.mpg.de
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