Shaw-Preis für Reinhard Genzel
Der diesjährige Shaw-Preis für Astronomie geht an Reinhard
Genzel, Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE), für
seine herausragenden Beiträge zur Entdeckung des supermassiven schwarzen Lochs
im Zentrum der Milchstraße. Der Shaw-Preis wird von der Shaw Prize Foundation
in Hong Kong jährlich in den Lebenswissenschaften, der Mathematik und der
Astronomie vergeben und ist mit jeweils einer Million US-Dollar dotiert.
Reinhard Genzel
Durch die Entwicklung modernster astronomischer Instrumente
und die Beobachtung des Galaktischen Zentrums über 17 Jahre mit höchster
räumlicher Auflösung haben Reinhard Genzel und sein Team am MPE entscheidend
dazu beigetragen, das schwarze Loch von mehreren Millionen Sonnenmassen im
Herzen der Milchstraße nachzuweisen, so die offizielle Begründung der Shaw
Prize Foundation. Die Hypothese, dass die zentralen Bereiche von
Milchstraßensystemen supermassive schwarze Löcher enthalten, war erstmals 1969
von Donald Lynden-Bell und Martin Rees aufgestellt worden.
2002 beobachtete ein internationales Team unter Leitung von
Reinhard Genzel mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO einen Stern, der das
galaktische Schwerkraftzentrum innerhalb von nur 15 Jahren umkreist, sich ihm
bis zu 17 Lichtstunden annähert und dabei eine Geschwindigkeit von fast 30 Millionen
Kilometern pro Stunde erreicht. Dadurch konnten andere Erklärungen für die
Masse im Zentrum der Milchstraße ausgeschlossen und das zentrale schwarze Loch somit
erstmals eindeutig nachgewiesen werden. Das supermassive schwarze Loch im
Galaktischen Zentrum stellt damit den zur Zeit
überzeugendsten empirischen Beweis dar, dass die von der Einstein’schen
Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagten schwarzen Löcher in der Tat
existieren.
Inzwischen ist bekannt, dass fast alle massereichen Galaxien
ein solches supermassives schwarzes Loch in ihrem Kern aufweisen. Zudem geht
man davon aus, dass diese zentralen schwarzen Löcher eine entscheidende Rolle bei
der Entstehung von Galaxien spielen. Dies liegt daran, dass bei der Akkretion
von Materie auf schwarze Löcher ungeheure Energiemengen freigesetzt werden
können, die dann wieder auf die zentrale Galaxie zurückwirken. Die extremsten
solcher Objekte sind die leuchtkräftigen Quasare.
Reinhard Genzel ist Wissenschaftliches Mitglied der
Max-Planck-Gesellschaft und leitet am MPE die Forschungsgruppe Infrarot- und
Submillimeter-Astronomie. Daneben lehrt er auch als Professor an der Fakultät
für Physik der University of California in Berkeley, USA, und als
Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Der Shaw-Preis wurde dieses Jahr zum fünften Mal vergeben.
Die Verleihungszeremonie findet am 9. September 2008 in Hong Kong statt.
http://www.shawprize.org/en/index.html
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: clerico@mpe.mpg.de
Prof. Dr. Reinhard Genzel
Max Planck
Institute for extraterrestrial Physics
Tel. +49 89
30000-3280
E-Mail: genzel@mpe.mpg.de