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Überraschende Blitze eines möglichen Magnetars
Strahlungsausbrüche im optischen Wellenlängenbereich zeigen Grenzen der
etablierten Theorien über Magnetare auf
Mithilfe des Hochgeschwindigkeits-Photometers OPTIMA des Max-Planck-Instituts für
extraterrestrische Physik (MPE) hat ein Team von Wissenschaftlern dieses Instituts
möglicherweise eine unerwartete neue Unterart astronomischer Objekte entdeckt. Dabei
scheint es sich um einen Magnetar zu handeln, der Strahlungsausbrüche im optischen
Spektrum aufweist, im Gegensatz zu den Röntgen- und Gammablitzen, die normalerweise
als typisch für Magnetare gelten (Nature, September 2008).

Künstlerische Darstellung des beobachteten Strahlungsausbruchs
Bild: A. Stefanescu, MPE
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Die Forscher um Alexander Stefanescu erhielten eine Nachricht über einen kurzen Ausbruch
hochenergetischer Strahlung vom NASA-Satelliten Swift und stellten schnell fest, dass
es sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Gammablitz handelte: Anstatt der normalerweise
erwarteten langsamen Helligkeitsabnahme, der gelegentlich auch kurzzeitige Zunahmen
von Helligkeit überlagert sein können, beobachteten die Wissenschaftler plötzliche,
helle Blitze. Die Beobachtungen wurden immer rätselhafter, als in der darauf folgenden
Nacht die Aktivität nicht abgeklungen, sondern auf ein Vielfaches angestiegen war
und erst einige Nächte darauf wieder erlosch.
Bei der Untersuchung der Strahlung, die das unbekannte Objekt während eines
Röntgenausbruchs ausgesandt hatte, stellte das MPE-Team fest, dass ein Teil
der Röntgenstrahlung auf dem Weg vom Objekt zur Erde von Wasserstoffgas absorbiert
worden war. Nach einer Vermessung der Gasmassen entlang der Sichtlinie zum Objekt
stand fest: Das Objekt befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb unserer
Galaxis. Damit war klar, dass es sich nicht um einen normalen GRB handelte, da diese
nicht in unserer "näheren Nachbarschaft" auftreten, sondern in weit entfernten Galaxien.
Einen Durchbruch erzielten die Forscher mit OPTIMA. Bei diesem vom MPE gebauten
Hochgeschwindigkeits-Photometer, montiert am 1.3m Teleskop der Skinakas Sternwarte auf
Kreta (einem Gemeinschaftsprojekt der Universitätvon Kreta, der Foundation for Research
and Technology -- Hellas und des MPE), handelt es
sich um das einzige Instrument weltweit, das eine hohe Zeitauflösung mit dem Triggern
auf unerwartete Ereignisse kombiniert hat. Detektoren zeichnen die Ankunftszeit jedes
einzelnen Photons auf - mit vier Millionstel Sekunden Genauigkeit. Somit kann im Detail
verfolgt werden, wie sich die Helligkeit eines Objektes verändert.
Jedes einzelne Photon zu beobachten, ist im Hochenergie-Bereich durchaus üblich, aber
OPTIMA ist eines der wenigen Instrumente, die über eine solch hohe Zeitauflösung im
optischen Bereich verfügen. Die hohe Variabilität in der Helligkeit des Objekts, die
nur durch eine hoch zeitaufgelöste Beobachtung entdeckt worden war, half entscheidend
dabei, die anfängliche Hypothese, dass es sich hier um einen Gammablitz handle, definitiv
auszuschließen.
Das unbekannte Objekt stellte sich bei der Untersuchung mit diesem Instrument als zehnmal
kleiner als die Sonne heraus - aber zugleich als fast hundertmal so hell. Geht man von
herkömmlicher Wärmestrahlung aus, wie sie beispielsweise von der Sonne ausgestrahlt
wird, wären hierzu außerordentlich hohe Temperaturen nötig. "Bei so hohen Temperaturen
wäre aber nicht erklärbar, wie sich ein Objekt dieser Größe derart schnell aufheizen
und gleich wieder abkühlen kann", erläutert Stefanescu, Mitarbeiter im OPTIMA-Team und
Erstautor des Nature-Papers. "Es konnte sich daher nur um einen nicht-thermischen Prozess
handeln, das heißt um Licht, das nicht durch Erhitzung eines Mediums wie in einer Glühbirne
oder einer Kerze erzeugt wird, sondern zum Beispiel durch Teilchen in einem Magnetfeld."
Die lang anhaltende Aussendung heller, kurzer Blitze erinnerte die Forscher an die im
Hochenergiebereich beobachtbaren, nicht-thermischen Ausbrüche von so genannten wiederkehrenden,
weichen Gammaquellen (engl. Soft Gamma Repeater, SGR). Dies ließ die Wissenschaftler vermuten,
dass dem beobachteten Objekt derselbe Typ zugrunde liegt wie SGRs: ein Magnetar. Ein zweites
Nature-Paper von Alberto Castro-Tirado (Consejo Superior de Investigaciones Cientificas,
IAA-CSIC, Granada) über Breitband-Beobachtungen dieser Quelle stützt diese Hypothese. Bei
Magnetaren handelt es sich um einen speziellen Typus von Neutronensternen mit besonders
starkem Magnetfeld.
Neutronensterne entstehen beim Kollaps eines Sterns einer bestimmten Gewichtsklasse im Rahmen
einer Supernova. Wenn ein neugeborener Neutronenstern sehr schnell rotiert, kann sein
Magnetfeld um den Faktor 1000 verstärkt werden und das resultierende Feld bis zu 100 Gigatesla
erreichen - ungefähr eine Milliarde mal stärker als die stärksten Felder, die auf der Erde
im Labor erzeugt werden können. Das Feld ist derart stark, dass in seiner Nähe Atome zu
dünnen Nadeln langgezogen werden. Kreditkarten könnten von einem solchen Magnetfeld
beispielsweise selbst aus der Entfernung des Mondes gelöscht werden.
Die Änderung der Magnetfeldkonfiguration im Inneren des Magnetars in den ersten 10.000 Jahren
seiner Existenz übt so starke Kräfte auf seine Kruste aus, dass diese sich aufheizt und
gelegentlich brechen kann. Dabei werden eben jene Ausbrüche hochenergetischer Strahlung
erzeugt, deren Eigenschaften den optischen Ausbrüchen des von Swift entdeckten Objekts ähneln.
Was aber lässt die Strahlungsausbrüche des mutmaßlichen Magnetars im Optischen anstatt im
Gamma-Licht leuchten? Eine mögliche Theorie ist, dass hoch geladene Ionen aus der Oberfläche
des Magnetars gelöst werden und entlang der Feldlinien wandern. Da die Ionen sehr viel
schwerer sind als Elektronen, kreisen sie deutlich langsamer um die Feldlinien und emittieren
dadurch elektromagnetische Strahlung viel niedrigerer Energie.
Die meisten Beobachtungen von Magnetaren sind bisher jedoch in den hohen Energiebereichen
erfolgt. "Uns sind 15 weitere Magnetare bekannt, aber bislang wurden keine optischen Ausbrüche
bei ihnen beobachtet", so Stefanescu. "Entsprechend fanden auch die Hauptanstrengungen der
Theoretiker im Bereich Hochenergie statt. Deshalb haben wir keine passende Theorie zur
Verfügung, mit der wir unsere Beobachtungen vergleichen können." Der nächste Schritt der
Wissenschaftler muss daher sein, die Konsequenzen der etablierten Theorien für optische
Emission zu untersuchen.
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik und
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3980
E-Mail: clerico@mpe.mpg.de
Alexander Stefanescu
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel.: +49 89 30000-3853
E-Mail: astefan@mpe.mpg.de
Verweise:
Originalveröffentlichung:
Nature 455, 503-505 (25 September 2008) (in englischer Sprache)
"Editor's Summary" (Kommentar) der Ausgabe von Nature, die obige
Veröffentlichung enthält (in englischer Sprache)
OPTIMA Webseiten am MPE
Skinakas Observatorium (in englischer Sprache)
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