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Kollisionen knipsen Schwarze Löcher an
Forscher finden Ursache für die aktiven Zentren von Galaxien
Im Herzen der meisten Galaxien sitzt ein massereiches Schwarzes Loch. Auch unsere Milchstraße
birgt ein solches exotisches Objekt, das sich allerdings recht ruhig verhält - im Gegensatz zu
den schwergewichtigen Massemonstern in anderen Galaxien. Forscher des Max-Planck-Instituts für
extraterrestrische Physik in Garching und anderer Institutionen haben jetzt 199 dieser Sternsysteme
beobachtet und herausgefunden, warum die Schwarzen Löcher in deren Zentren so aktiv sind: Offenbar
wurden sie bei Verschmelzungen von großen Galaxien vor rund 700 Millionen Jahren "eingeschaltet".
(The Astrophysical Journal, im Druck)
Während das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße etwa 4 Millionen Sonnenmassen entspricht,
haben die Schwarzen Löcher in den 199 untersuchten Galaxien eine Masse von typischerweise 300 Millionen
Sonnen. Zudem sind diese Galaxien viel größer als unsere Milchstraße und ihr innerer Bereich strahlt
mit einer sehr viel höheren Leuchtkraft als jener von normalen Galaxien.

Abb.: Welten im Zusammenstoß: Verschmelzende Galaxien - hier das System NGC 2207 im Sternbild
großer Hund - sind wahrscheinlich die Vorläufer für aktive Galaxienkerne.
Bild: ESO
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Die Astronomen glauben, dass diese Strahlung beim Einfall von Materie auf das besonders schwere
Schwarze Loch im Zentrum entsteht. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die Geburt und
Entwicklung der Galaxien und ihrer zentralen Schwarzen Löcher in engem Zusammenhang stehen. Es
gibt allerdings verschiedene Möglichkeiten, wie das innerhalb der Galaxie verteilte Gas zum
Schwarzen Loch gelangt. Die Forscher wussten bisher noch nicht, welcher dieser Mechanismen in
welchem Entwicklungsstadium einer Galaxie vorherrscht.
Die beiden wichtigsten Wege sind entweder interne Störungen, etwa Instabilitäten in der
galaktischen Scheibe, oder Verschmelzungen und gravitative Wechselwirkungen zwischen engen
Galaxienpaaren. In Bezug auf die räumliche Verteilung der aktiven Galaxien und ihre Massen
führen Simulationen dieser Vorgänge zu unterschiedlichen Vorhersagen.
Vorangehende Studien untersuchten Sternsysteme, die man allein aufgrund ihrer optischen oder
weichen Röntgenstrahlung ausgewählt hatte. Dabei wurde aber naturgemäß ein Großteil jener
Strahlung außer Acht gelassen, die vom Schwarzen Loch stammt, da diese zum Teil durch Staub
und andere Materie in der Galaxie "verschluckt" wird.
"Für unsere Studie beschränkten wir uns auf Galaxien, die aufgrund ihrer harten Röntgenemission
in der Swift-BAT-Himmelsdurchmusterung ausgewählt wurden", sagt Nico Cappelluti vom
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. "Dieser Katalog bietet eine einzigartige
Charakterisierung der unterschiedlichen Quellen." Laut Mitautor Marco Ajello, Wissenschaftler
am Kavli-Institut für Teilchenphysik und Kosmologie in Stanford (USA), liefert die
Himmelsdurchmusterung ein vollständiges Bild der lokalen aktiven Galaxien. "Damit konnten
wir die Messungen direkt vor unserer kosmologischen Haustür vornehmen."
So gibt die Analyse der räumlichen Verteilung von 199 ausgewählten Galaxien nun zum ersten Mal
ein unverfälschtes Bild der gemeinsamen Entwicklung der Galaxien und ihrer aktiven Kerne im
nahen Universum. Danach beherbergen die aktiven Galaxien in ihren Zentren Schwarze Löcher
mit typischerweise rund 300 Millionen Sonnenmassen. Die Masse der Milchstraßensysteme
selbst entspricht der von etwa 200 Milliarden Sonnen.
Die Galaxien wiederum befinden sich innerhalb von großen Blasen aus Dunkler Materie -
so massereich wie 100 Milchstraßen. Diese Eigenschaften hängen eng mit der Leuchtkraft
zusammen: Die leuchtkräftigeren Quellen stammen aus massereicheren Galaxien mit größeren
Schwarzen Löchern.
Beim Vergleich der Beobachtungsdaten mit Vorhersagen aus theoretischen Modellen fanden
die Wissenschaftler heraus, dass das wahrscheinlichste Szenario für den Ursprung der
lokalen aktiven Galaxien eine kosmische Kollision ist: "Die aktiven Galaxienkerne
schalteten sich vor rund 700 Millionen Jahren nach der Verschmelzung von großen Galaxien
ein und leuchteten in ihrem ersten Lebensabschnitt sehr hell", sagt Cappelluti. "Dabei
gewannen sie den größten Teil ihrer Masse."
Nach etwa 200 bis 500 Millionen Jahren wurde die Massenanhäufung ("Akkretion") immer
weniger effizient, da die Gasvorräte zur Neige gingen. Bis heute sind die Galaxienkerne
zwar zu super-massereichen Schwarzen Löchern herangewachsen, mit 100 bis 1000 Sonnenmassen;
aber sie strahlen im Vergleich zu anderen aktiven Galaxienkernen nur noch mit mäßiger
Leuchtkraft, weil der Materienachschub fehlt und die Schwarzen Löcher gleichsam "hungern".
Die Ergebnisse der Gruppe um Nico Cappelluti tragen entscheidend zu einem besseren Verständnis
des Ursprungs der Schwarzen Löcher in Galaxienzentren bei. In den kommenden Jahren wird die
nächste Generation von Röntgenteleskopen - etwa eROSITA, das gegenwärtig am Max-Planck-Institut
für extraterrestrische Physik gebaut wird - Schwarze Löcher und Dunkle Materie weiter kartieren.
Von diesen Studien erwartet man Aufschluss über die Geschichte der exotischsten Phänomene im Universum.
Originalveröffentlichung:
AGN clustering in the local Universe: an unbiased picture from Swift-BAT
N. Cappelluti, M. Ajello, D. Burlon, M. Krumpe, T. Miyaji, S. Bonoli, J. Greiner
The Astrophysical Journal, 2010, accepted for publication
Vorabdruck:
arXiv:1005.4968v1 [astro-ph.CO]
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MPG Presseinformation
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