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VERMISCHTESSamstag, 11. Dezember 1999

 Deutschland Seite 16 / München Seite 16

Erlösung für das Raubtier

Die europäische Rakete Ariane ist nach einer pannenreichen Geschichte jetzt erfolgreich ins All gestartet

Von Jeanne Rubner

Kourou – Trois. deux, un, zero – über dem Urwald von Französisch-Guyana erhebt sich um 11.32 Uhr Ortszeit eine weiße Wolke. Sekunden später ein helles Licht: Die Euro-Rakete Ariane-5 ist zu ihrem ersten kommerziellen Flug ins All gestartet. An Bord trägt sie das weltweit stärkste Röntgenteleskop, das Explosionen in der Entstehungsgeschichte des Universums aufspüren soll.

Arianespace-Direktor Jean-Marie Luton, der am Morgen noch wie ein Raubtier im Kontrollzentrum umhergelaufen war, schien sichtlich gelöst. Immerhin stand die Geschichte der Ariane-5 nicht gerade unter einem guten Stern. Am 4.  Juni 1996 war wegen eines Software-Fehlers die erste Rakete von ihrer Bahn geraten und hatte sich nur 40 Sekunden nach dem Start selbst das Kommando zur Zerstörung gegeben. Vier wissenschaftliche Satelliten, die das Magnetfeld der Erde beobachten sollten, verglühten dabei im All. Auch 1997, beim zweiten Flug, kam es zur Panne: Die Triebwerke der Ariane-5 verbrannten den Treibstoff nicht richtig, die Rakete setzte die Satelliten-Attrappe in eine zu niedrige Umlaufbahn. Erst der dritte Anlauf geriet 1998 zum Bilderbuchstart. Seitdem hat Arianespace zwei 5er Modelle, deren Bauteile zu 20 Prozent von deutschen Firmen stammen – darunter der DaimlerChrysler Tochter Dasa und des Maschinenkonzerns MAN – erfolgreich auf die Reise geschickt..

Am Freitag flog zum ersten Mal seit der Pleite von 1996 unter der Hülle von Ariane-5 verborgen ein Satellit in den Weltraum: das 460 Millionen Mark teure Röntgen-Observatorium XMM (X-Ray Multi Mirror). Gebaut haben es 35 europäische Firmen und Institute unter Federführung der Friedrichshafener Firma Dornier. Das elf Meter lange und vier Tonnen schwere Teleskop soll zehn Jahre lang den Röntgenhimmel ins Visier nehmen. Er teilt sich dabei die Aufgabe mit dem im Juli gestarteten amerikanischen Teleskop Chandra. Weil Chandras Detektoren schon von durch den Beschuss kosmischer Teilchen teilweise beschädigt sind, soll XMM einen Teil der Beobachtungen übernehmen.

„Röntgenstrahlen geben uns Hinweise auf die wenig sanfte Entstehungsgeschichte des Universums“, sagt Roger Bonnet, Wissenschafts-Direktor der ESA. Astronomen hoffen, mit XMM neue Röntgenquellen zu entdecken, die bei Explosionen im Weltraum entstehen, zum Beispiel wenn massereiche Sterne („Supernovae“) am Ende ihres Lebens allen Brennstoff verbraucht haben und zu einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch zusammenfallen.

Als die ESA vor sieben Jahren das ehrgeizige Vorhaben dieses Röntgenteleskops“ plante, schüttelten manche den Kopf. „Eine unmögliche Mission“, hieß es damals, erinnert sich Bonnet. Kaum ist Ariane-5 auf dem Weg zum kommerziellen Träger, denken die Manager von Arianespace und der ESA über eine noch stärkere europäische Rakete nach. Bis zum Jahr 2005 soll mit Hilfe von neuartigen Antriebsstufen zwölf statt der jetzt sechs Tonnen ins All geschossen werden können. Bezahlt wird die Erweiterung von Ariane-5, deren Entwicklung bislang 12 Milliarden Mark gekostet hat, von den Mitgliedstaaten der ESA, sprich den Steuerzahlern.


SZ - Vermischtes 11.12.1999

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