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Dishoeck, van, Ewine
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MPE Pressemeldung

Zwei internationale Auszeichnungen für Ewine van Dishoeck

19. Juni 2015

Das World Cultural Council verleiht den diesjährigen Albert Einstein World Award of Science an Ewine van Dishoeck, Professorin an der Universität Leiden für molekulare Astrophysik und auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE). Mit diesem Preis werden Wissenschaftler für ihre außerordentlichen Leistungen geehrt, die sowohl Fortschritt für die Wissenschaft als auch einen Nutzen für die Menschheit bedeuten. Daneben wurde Ewine van Dishoeck von der European Astronomical Society (EAS) zum Lodewijk Woltjer Lecturer 2015 gewählt, als der sie während der European Week of Astronomy and Space Science (EWASS) ende Juni einen Vortrag halten wird. Die EAS würdigt damit ihre herausragende Karriere, insbesondere ihre Arbeit auf dem Gebiet der Stern- und Planetenentstehung.
Ewine van Dishoeck Bild vergrößern
Ewine van Dishoeck

In ihrer wissenschaftlichen Karriere als Astrochemikerin beschäftigt sich Ewine van Dishoeck seit 25 Jahren insbesondere mit interstellaren Wolken, die zwar für das bloße Auge schwarz und unsichtbar erscheinen, aber gefüllt sind mit molekularen Rohstoffen, aus denen Sterne und Planeten entstehen.

1995 konnte sie einige der Schlüsselmoleküle, unter anderem Wasser, Kohlenstoffdioxid, Methan und Ameisensäure, erstmals mithilfe des Infrared Space Observatory (ISO) der ESA ohne störende Interferenz durch die Erdatmosphäre nachweisen. Durch das Spitzer-Weltraumteleskop der NASA, Nachfolger von ISO, entdeckte sie weitere Komponenten protoplanetarischer Scheiben: gasförmigen Cyanwasserstoff (HCN) und Acetylen (C2H2). Diese sind Bestandteile von Aminosäuren und Nukleinsäuren, den wichtigsten Bausteinen des Lebens.

Seit 2007 ist van Dishoeck auswärtiges wissenschaftliches Mitglied am MPE und untersucht dort mit ihrer Forschungsgruppe mithilfe des Herschel-Weltraumteleskops und des Atacama Large Millimeter Array (ALMA) im Sub-Millimeter und Infrarot-Wellenlängenbereich die Entwicklung von interstellaren Wolken hin zu planetaren Scheiben. Diese Daten zeigen nicht nur Wasser und komplexe Moleküle im interstellaren Raum, sondern geben auch Aufschluss über die physikalischen Prozesse bei der Entstehung von Sternen und Planeten darin.

Dieses Bild zeigt das Spektrum von Wasser aufgenommen mit Herschel; im Hintergrund das Spitzerbild einer Sternentstehungsregion. Bild vergrößern
Dieses Bild zeigt das Spektrum von Wasser aufgenommen mit Herschel; im Hintergrund das Spitzerbild einer Sternentstehungsregion. [weniger]

Ewine van Dishoeck’s Forschungen haben wesentlich dazu beigetragen, das relativ junge und interdisziplinäre Feld der Astrochemie zu etablieren. „Als ich in Leiden Chemie studierte, war ich fasziniert von den ersten Entdeckungen von Molekülen im interstellaren Raum. Heute finde ich es unglaublich, die große Vielfalt von Molekülen und festen Partikeln in diesem einzigartigen Labor zu sehen und zu erkennen, dass sie im Grunde genommen winzige Bausteine neuer Planeten wie unserer Erde sind“, sagt die Wissenschaftlerin.

Für ihre Forschungen wird van Dishoeck dieses Jahr gleich zweifach ausgezeichnet: Die European Astronomical Society (EAS) wählte die Wissenschaftlerin zum Lodewijk Woltjer Lecturer 2015. Dieser Preis zeichnet ihre herausragende Karriere aus, insbesondere ihre Arbeit auf dem Gebiet der Stern- und Planetenentstehung. Bei der European Week of Astronomy and Space Science (EWASS) auf Teneriffa, Spanien, Ende Juni wird van Dishoeck einen Vortrag über ihre Arbeit halten und außerdem eine Medaille und ein Zertifikat erhalten.

Künstlerische Darstellung eines neu geborenen Sterns, umgeben von der Staubscheibe, in der ein neues Planetensystem entsteht. Dies basiert auf neuen ALMA-Ergebnissen von van Dishoeck. Bild vergrößern
Künstlerische Darstellung eines neu geborenen Sterns, umgeben von der Staubscheibe, in der ein neues Planetensystem entsteht. Dies basiert auf neuen ALMA-Ergebnissen von van Dishoeck. [weniger]

Außerdem verleiht das World Cultural Council van Dishoeck den Albert Einstein World Award of Science, der ihre Arbeit auf dem Gebiet der interstellaren Chemie des Wassers würdigt sowie ihre umfassende Betrachtungsweise der Astrochemie – die Verbindung von quantenchemischen Kalkulationen, Laboruntersuchungen und astronomischen Modellentwicklungen und Beobachtungen. Die Jury hob insbesondere hervor, dass ihre grundlegenden Entdeckungen einen großen Beitrag zu unserem Verständnis des Universums auf atomarem Level beigetragen haben.

Die Preiszeremonie für den Albert Einstein World Award of Science wird am 19. November 2015 an der University of Dundee stattfinden; am Tag zuvor wird van Dishoeck eine Festrede halten. Neben einer Urkunde und einer Gedenkmedaille erhält die Wissenschaftlerin ein Preisgeld von 10.000 US$. Das World Cultural Council ist eine internationale Organisation, die gegründet wurde, um wissenschaftliche, kulturelle und soziale Institutionen weltweit zu vernetzen und Wissenschaft und Kunst zum Wohle und Fortschritt der Menschheit zu fördern. So zeichnet das WCC seit 1984 Wissenschaftler, Pädagogen und Künstler aus, die die Menschheit kulturell bereichert haben. Frühere Preisträger des Albert Einstein World Award of Science auf dem Gebiet der Astrophysik sind Martin Rees (2003) und Margaret Burbidge (1988).

 
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