Erste Bilder vom VLT Survey Telescope

VST und seine 268-Megapixel Kamera OmegaCAM nehmen den Betrieb auf

8. Juni 2011

Das VLT Survey Telescope (VST), das kürzlich am Paranal Observatorium der ESO installiert wurde, liefert nun die ersten, beeindruckenden Bilder des Südhimmels. Das VST ist ein hochmodernes 2,6-Meter Teleskop mit der riesigen 268-Megapixel-Kamera OmegaCAM, die darauf ausgerichtet ist, den Himmel schnell und gleichzeitig mit hoher Bildqualität abzutasten. Die Universitäts-Sternwarte München und das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik waren an der Entwicklung dieser Kamera massgeblich beteiligt und sind Partner in einem der drei ambitionierten Hauptbeobachtungprojekte. Die neuen Bilder des Omega-Nebels, des Omega Centauri Sternhaufens und des Leo-Tripletts, einer kleinen Galaxiengruppe, zeigen eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des VST.

A) Die Sternentstehungsregion Messier 17, aufgenommen mit dem VST:
Dieses VST-Bild zeigt die eindrucksvolle Sternentstehungsregion Messier 17, die auch unter den Namen Omega-Nebel oder Schwanennebel bekannt ist. Diese ausgedehnte Region aus Gas, Staub und jungen Sternen liegt im Herzen der Milchstraße im Sternbild Schütze. Das Sichtfeld des VST ist so groß, dass der gesamte Nebel mit seinen schwächeren, äußeren Teilen aufgenommen werden kann; außerdem bleibt die hervorragende Schärfe über das ganze Bild erhalten.


B) VST-Bild des großen Sternhaufens Omega Centauri:
Auf diesem VST-Bild ist der Kugelsternhaufen Omega Centauri im Sternbild Stier zu sehen. Dies ist der größte Kugelsternhaufen am Himmel, aber das sehr weite Sichtfeld des VST und die leistungsstarke OmegaCAM-Kamera können sogar die schwachen Außenbereiche dieses beeindruckenden Objekts erfassen. Diese Aufnahme umfasst etwa 300 000 Sterne.


Das VLT Survey Telescope (VST) ist das neueste Teleskop, das am Paranal Observatorium der ESO in der Atacamawüste im nördlichen Chile aufgebaut wurde. Es befindet sich in einer Anlage direkt neben den vier VLT-Teleskopen auf dem Gipfel des Cerro Paranal unter dem klaren Himmel einer der besten Beobachtungsstationen der Erde. Das VST ist ein großformatiges Durchmusterungsteleskop mit einem Sichtfeld, das zweimal breiter ist als der Vollmond. In den nächsten Jahren wird das VST mit seiner OmegaCAM-Kamera mehrere detaillierte Durchmusterungen des Südhimmels durchführen. Alle diese Daten werden öffentlich verfügbar sein.

"Ich freue mich sehr, die ersten, beeindruckenden Aufnahmen von VST und OmegaCAM zu sehen. Die einzigartige Kombination des VST und des VISTA Infrarot-Survey-Teleskops werden es erlauben, viele interessante Objekte für detaillierte Nachbeobachtungen mit den leistungsstarken Teleskopen des VLT zu identifizieren", sagt Tim de Zeeuw, Generaldirektor der ESO.

Das VST ist ein hochmodernes 2,6-Meter Teleskop mit einer adaptiven Optik, damit die Spiegel immer perfekt positioniert sind. In seinem Innersten, hinter großen Linsen, die die bestmögliche Bildqualität garantieren, sitzt die 770 kg schwere OmegaCAM-Kamera. 32 CCD-Detektoren in einem Vakuum erzeugen zusammen Bilder mit 268 Megapixeln. OmegaCAM wurde unter Beteiligung der ESO von einem Konsortium entwickelt und gebaut, dem neben der Universitätssternwarte München und dem Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik viele andere Institute in den Niederlanden, Deutschland und Italien angehören. Die Universitäts-Sternwarte war unter anderem für die elektronische Steuerung und Integration von OmegaCAM, sowie das Projektmanagement verantwortlich. Das MPE hat massgeblich zu den optischen Komponenten beigetragen. Die ESO wird die neue Anlage betreiben sowie die Daten des Teleskops verteilen und archivieren.

Das VST wird in den nächsten fünf Jahren drei Himmelsdurchmusterungen durchführen: KIDS, ATLAS und VPHAS+. Wissenschaftler aus München und Garching sind am KIDS-Survey beteiligt, der 1500 Quadratgrad in 4 Bändern aufnehmen soll. Damit können die Astronomen Halos aus Dunkler Materie und Dunkle Energie mit Hilfe des schwachen Linseneffekts untersuchen, die Galaxienentwicklung weiter erforschen und nach Galaxienhaufen und Quasaren bei hoher Rotverschiebung suchen. Das KIDS-Projekt füllt eine wichtige Nische bei Surveys zum Linseneffekt zwischen kleinen, ein wenig tieferen Surveys, wie dem CFHT Legacy Survey, und größeren, flacheren Surveys, wie dem SDSS.

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